Liebe Bikergemeinde... zum Nachdenken

Ich war am Sonntag auf dem Stoneman Taurista in und um Flachau unterwegs. Bei der letzten, eigentlich einfachen Schotterabfahrt, nach gefahrenen 120km und 5000hm in den Beinen, fuhr ich gegen 21h anstelle der Asphaltstraße vom Sattelbauer auf Suche nach einem Trail die Schotterstraße bergab. Durch diese Aktion wurde ich traurigerweise zum Ersthelfer: in einer Linkskurve lag innenseitig in einer vom Regen ausgeschwemmten Rinne Kopf voraus ein schwerverletzter Mann, regungslos und noch immer eingeklemmt vom Fahrrad, natürlich ohne Helm am Kopf. Es dauerte 90min bis zusätzliche Hilfe eintraf.

Heute hat mich der gute Herr angerufen und sich bedankt. Sein Fazit: Neben diversen Schnitt- und Rissquetschwunden, gebrochene Nase, 2 ausgeschlagene Zähne, gebrochenes Schlüsselbein, 4! gebrochene Rippen und Organquetschungen.

Eigentlich will ich 2 Sachen hier loswerden, (es fällt mir nämlich laufend auf): tragt einen Fahrradhelm! Er bringt euch weder was am Lenker, oder daheim im Regal. Ein modernes Fahrrad ist eh schon so teuer, ein elektrisches umso mehr, da machens die paar Euro für einen passenden Helm nicht aus. Allein wenn ich an das Gesicht denke, das ich mit meinem Wasser versucht habe halbwegs von rot zu befreien... will - außer ein Statist in "The Walking Dead" - keiner haben. Was nützt euch die tolle Frisur, wenn das Gesicht für einen Zombiefilm taugt. Außerdem sind eh alles Insekten in den Haaren. Heißer ist es damit auch nicht. Auch nicht bergauf, das könnt ihr mir glauben. Moderne Helme nutzen Effekte um die Luft durch die Öffnungen sinnvoll zu leiten, funktioniert auch bei 25km/h und weniger. Man weiß auch nie wer oder was von oben herab kommt. Ach ja, und die Bänder mit dem Verschluß haben einen Sinn (daher auch der Name Verschluß).

Und das zweite ist: auch wenn man mit dem Fahrrad unterwegs ist gilt: 0 Promille, 0 Probleme!!! Oder zumindest weniger. Musste auch das Unfallopfer bekennend zugeben. Da nützt es dir auch nichts, wenn dir ein 4 Sterne Hotel in Flachau gehört...

Unabhängig davon, noch eine Überlegung: bevor ihr eurem Händler den letzten Cent Rabatt rausschlägts, fragts besser ob er mit euch eine grundlegende Fahrtechnikschulung macht, oder euch an eine vertraute Person verweist. Das würde den Fahrspaß und/oder das Bergerlebnis um ein Vielfaches erhöhen. Raufkommen ist das eine... Es sind Basics die den Genuss ohne Probleme um den Faktor 100 erhöhen, bergab fahren muss keine Stresssituation sein, es kann der pure Fahrspaß sein..

Ein paar Beispiele:

-) stellt das Rad passend für euch ein (Bremshebel, Druck in allen entsprechenden Komponenten...) oder lasst es von jemanden der sich auskennt, wenn ihr euch wohl fühlt seit ihr sicherer unterwegs.

-) stehend bergab fahren, dadurch ist man wendiger

-) vor der Kurve und nicht in der Kurve bremsen (lernt man auch beim KFZ Führerschein)

-) kurveninnere Bein nach oben, Druck aufs kurvenäußere Pedal, beim gerade aus fahren Beine parallel, waagrecht natürlich

-) vorausschauend fahren, durchs periphere Sehen, nimmt man die 2m vor sich sowieso wahr. Man erkennt Hindernisse viel früher und wird dadurch blöderweise schneller 😉

-) es braucht nicht 2bar Luft im Reifen, auch dass es mit mehr Luft leichter bergauf rollt wurde wiederlegt, gibt dazu Masterarbeiten

-) Entspannt bergab fahren, genießen und Lächeln

Das sind Basics, die bringen aber schon viel.

Ich möchte zusätzlich noch anmerken ich habe nichts gegen die auftretende Zunft der E-Biker, im Gegenteil, ich begrüße sie. Denn dadurch muss unter anderem am Angebot bzw. Wegenetz was gemacht werden, vielleicht wird auch eines Tages das Forstgesetz von 1975 dementsprechend adaptiert, think positive. Schließlich wird dadurch auch unser Sommertourismus mächtig angekurbelt. Auch mit dem Rennrad merkt man erfreulicherweise, dass immer mehr motorisierte Verkehrsteilnehmer wissen wieviel Abstand MINDESTENS einzuhalten ist (von der Spiegelaußenseite mindestens 1 Meter plus die Geschwindigkeit in Zentimeter, dh zBsp in der Stadt 1,5m). Ich schließe daraus, dass der ein oder Andere auch stolzer Fahrradbesitzer ist. Man kann gemeinsam mit Schwächeren fahren und und und. Einzig was mich stört, die Respektlosigkeit, wenn man bergauf vollgas überholt wird, ganz starke Leistung, großes Kino!

Imposanter finde ich, dass Wanderer als erstes mein Rad beim vorbei fahren nach einem Motor absuchen. Zaubert mir immer wieder ein Schmunzeln ins Gesicht... 😎

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