image1 image2 image3

Trainingslager Teneriffa

Ich trainiere ja bekanntlich gerne, und ich trainiere umso lieber in Gegenden die ich noch nicht kenne. Von den kanarischen Inseln kenne ich bis dato nur Lanzarote, wo ich vor Jahren gemeinsam mit meinem Freund Daniel 2 Wochen zum Trainieren absolvierte.

Dass ich von 1.-12.März nach Teneriffa geflogen bin, hat sich sehr spontan ergeben. Die Betreuung bei unserem großen Kunden in Kundl ist kurzfristig mit Ende Februar ausgelaufen, somit wäre auch was Neues im Raum gestanden. Auch, da ich seit 8 Monaten durchgearbeitet habe, hätte ich mir sowieso gern eine sportliche Auszeit genommen. Kurzfristig gebucht, ganz blauäugig ein Hotel im Norden in Puerto de la Cruz (die Touristenhochburg im nördlichen Teil der Insel). Schlauerweise habe ich den Flug im Süden gebucht – Teneriffa verfügt über 2 Flughäfen, das muss man auch erst wissen. Da so kurzfristig auch kein Bustransfer inkl. Radtransport mehr möglich war, habe ich mir einen Mietwagen im Süden gemietet, den ich im Norden wieder abgegeben habe. Die Idee ist im Nachhinein schlauer, als wie 5h vor der Heimreise sinnlos auf den Bus warten zu müssen. Wirklich teurer ist es obendrein auch nicht. Erwähnenswert ist, dass ein Radkarton in einem VW Polo Platz hat, hätte ich zuerst auch nicht geglaubt, und die freundliche, junge Dame von der AVIS Autovermietung auch nicht ;-)

Noch spontaner als ich, tauchte mein Kumpel Werner auf. Der kam einen Tag später und blieb auch einen Tag weniger lang, aber da er das Mountainbike dabei hatte, konnten wir sowieso nicht viel gemeinsam unternehmen.

Aus dem Flieger ausgestiegen, übermannt mich diese übermäßige Hitze, in München beim Abflug hatte es noch windige, eisige -15°C, 6h später fast 30°C. So geht das. Dennoch Schnee wie zu Hause, erblickte man auch am höchsten Berg Spaniens, dem Teide, das Wahrzeichen der Insel, für Radsportfreunde von Interesse, dass er von Norden, Süden, Westen (mehrere Möglichkeiten, welche sich treffen) befahren werden kann. Höhenunterschied vom Meer weck bis zum höchsten Punkt ca 2200hm, richtig geil und das total früh in der Saison. Leider muss man auch sagen, dass es oben gut 10°C hat. Dafür erwartet dich dann eine 1h Abfahrt mit dem Rennrad, und wenn spät genug gewählt, anders gesagt, wenn es in Richtung Abendessen für Buffettiger geht, hat man eine freie Straße. Die nach Puerto de la Cruz wurde sogar neu asphaltiert, ein Video habe ich gemacht, das muss ich noch hochladen.

Ansonsten sind die Straßen teilweise mit Vorsicht zu genießen, Kategorie Bombenkrater und Baugruben im Straßenbelag. Leider hat mir das bei einem Bergintervall einmal 2 Platten beschert, und das mitten auf dem Berg – ich habe kurz auf den Garmin geblickt, und schon war ich drin. Der schlaue Radtourist hat 1 Schlauch mit, der war auch gleich getauscht, aber woher einen zweiten nehmen? Mehrere Stunden habe ich verbracht, zuerst hieß es die Autowerkstatt mache erst um 3 wieder auf, und die hätten einen, aber der konnte mir auch nicht helfen. Reifenflicken haben auch nichts gebracht, und dann kam die Rettung. Ultraläufer Lee  und seine Freundin aus GB, welche über der Tankstelle wohnten, waren so nett haben mir einen Schlauch geschenkt. Zusätzlich hat er mir noch eine Banane als Proviant mitgegeben.

Auch sonst kann man die Inselbewohner nur loben, ich war nie gefährlichen Situationen ausgesetzt und ich musste stets die Autos vorbei winken, weil sie sich ansonsten nicht an meinen fetten Hintern vorbei getraut hätten.  

Wohl mein persönliches Highlight war die Umrundung des Teides am letzten Tag (am Vortag habe ich noch mal richtig Bergintervalle geschruppt, dabei mir 2 1min Garmin Segmente mit über 600W geholt bzw bei dem Anstieg Masca sogar vorne bei den großen Jungs aus der Protour in den top 10 mit gemischt).

Ursprünglich ging ich davon aus, dass ich mit ca 200km durch käme. Dies alleine wäre schon ein Grund zeitig aufzubrechen, nachdem der Trödeltrupp heute unterwegs war, kam ich erst nach 10 vom Hotel weck. Zwischendurch bummelte ich etwas herum, bis mir irgendwann klar wurde ich müsste doch mal die Beine in die Hand nehmen. Und so machte ich mich mal auf den Weg. Unterm Strich wurden aus 200 fast 240km mit über 4000hm,  und nicht nur, dass ich erst um 21h beim Hotel war (stets leuchteten mir freundlich gesinnte Autofahrer den Weg, denn von so einer späten Rückfahrt ging ich natürlich nicht aus), und erst wieder Stress hatte, denn um 21:30 machte das Buffet dicht) habe ich es doch glatt geschafft, den Akku meines Garmin Edge 1000 in die Knie zu zwingen. Zum Glück war es von dort nicht mehr weit zurück, die Strecke kannte ich somit. Einzig ärgert mich die fehlende Datenaufzeichnung, what else.

Mein Fazit, Teneriffa ist eine wundervolle Insel, welche ideal für anspruchsvolle Radfahrer ist. Einzig die Krater im Straßenbelag lassen daran erinnern, dass man sich auf einem Vulkan befindet. Dass die Insel das Potential zu einem anspruchsvollen Fahrraddomizil ala Gran Canaria hat steht außer Frage, einzig an der Infrastruktur muss noch etwas gearbeitet werden.

2018  www.winter-johannes.net - welcome 2 my world   globbers joomla templates